Da der Vertrag unser Interims-Assistenz zum Februar ausläuft, waren wir auf der Suche nach einer neuen Fraktionsassistenz. Die Ausschreibung haben wir in diesem Blog veröffentlicht, weshalb wir nun auch das Ergebnis veröffentlichen.
Trotz eines, mit 10 Tagen, recht kurzen Bewerbungszeitraums, gingen 10 Bewerbungen ein. Diese wurden anonymisiert der Fraktion per Mail zugeschickt. Über das Wochenende konnten wir die Kandidaten bewerten. Dafür haben wir ein Spreadsheet verwendet um Punkte von -2 bis +2 zu vergeben. Alle Bewerber mit positiver Punktzahl, erstaunlicherweise alle 10, wurden letzten Freitag eingeladen. Pro Vorstellungsgespräch hatten wir eine halbe Stunde eingeplant, um nicht in Zeitnot zu geraten. Unsere “komplizierteste” Frage lautete “Wer ist die Lichtenberger Bezirksbürgermeisterin?”. Die meisten haben den Fehler in der Fragestellung erkannt und entsprechend reagiert.
Im Anschluss an die Gespräche haben wir per Approval Voting eine Top 4 ausgewählt. Danach wurde in jeder Runde ein Bewerber herausgenommen, ebenfalls per Approval. Bei der Top 3 wurde nach Abwägung der Argumente und Empfindungen ebenfalls ein Kandidat herausgenommen. Nachdem noch zwei Bewerber zur Auswahl standen, sind wir zunächst zu einer Kranzniederlegung am Loeperplatz gegangen. Eine Pause tat an dieser Stelle gut. Nach der Wiederaufnahme der Beratung waren wir nur noch zu viert, da Marvin nicht mehr anwesend war.
Die Diskussionsrunde konnte sich nicht auf eine der beiden Personen einigen, so dass die Top3-Favoriten wieder hergestellt wurde. Der Kandidat, welcher zuvor per Approval Voting herausgewählt wurde, war somit wieder im Rennen. Nach einer dreistündigen Diskussion und der schwierigen Einigung zwischen den Top 2, gewann zunächst der wieder dazugekommene Kandidat.
Am Montag wurde der Bewerber eingeladen, um den Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. In der Zeit vom Freitag bis Montag haben wir weiter über die Entscheidung nachgedacht. Es zeigte sich, dass einige Fraktionsmitglieder mit der aktuellen Auswahl unglücklich waren. Ein weiteres Problem war, dass Marvin am Freitag nicht mitdiskutiert hat und somit seine Meinung zunächst keine Berücksichtigung fand. Die eine Hälfte der Fraktion wollte die zuvor getroffene Entscheidung nicht zurücknehmen; die andere Hälfte hatte ein ungutes Gefühl. Eine hitzige Debatte brachte hervor, dass wir mit der zuvor getroffenen Wahl keinen Konsens herstellen konnten. Wir haben den Bewerber daher zunächst vertrösten müssen und die weitere Diskussion auf einen nichtöffentlichen Teil der Fraktionssitzung vertagt.
Dort haben wir noch einmal die Top 2 unter die Lupe genommen. Trotz einer vergifteten Stimmung lockerten sich doch noch die Standpunkte. In einer Meinungsabfrage konnten wir sehen, dass es einen Kandidaten gab, mit dem jeder von uns klar kommen würde.
Die zwei Fronten konnten sich so in der Mitte einigen. Wahrscheinlich wäre die Auswahl weniger hitzig und unprofessionell abgelaufen, wenn wir uns nach den Bewerbungsgesprächen erst einmal Bedenkzeit gewährt hätten. Auch die Entscheidung, die abschließende Diskussion zu viert zu Ende zu bringen, war sehr ungünstig. Einen Bewerber kurz vor der Unterschrift wegschicken (und schließlich auch ablehnen) zu müssen zeigt, dass wir in Personalfragen durchaus unerfahren sind. Dennoch schien es für die Atmosphäre in der Fraktion bedauerlicherweise unumgänglich. Wir sehen unseren Fehler ein und bitten bei der betroffenen Person um Entschuldigung.
Die neue Fraktionsassistenz heißt Claudia und wird uns nun unterstützen.
Die Verträge wurden heute von Steffen, Marvin und Claudia unterzeichnet.
Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!
Ich verwaise an dieser Stelle auf den wundervollen Vortrag von Martin Haase: Ich sehe nicht, dass wir nicht zustimmen werden. Lange hat es nicht gedauert, bis die Fraktion in der alten Politik angekommen ist.
Pingback: Fraktionssitzung vom 2012-01-30 | Fraktion PIRATEN Lichtenberg
Alles in allem bestätigt das mal wieder die Erkenntnis, dass Piraten zwar vielfach sehr gut mit Bits und Bytes und allem was darauf aufbaut umgehen können, aber nicht die Spur mit Menschen. Am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass sich bei Euch nur noch die engagieren bzw. bewerben, die keine anderen Möglichkeiten auf dieser Welt haben.
@Karl: ich habe als Pirat den Bewerbungsprozeß in Treptow-Köpenick mit geführt. Die wenigsten sind von uns Personaler oder hatten zuvor je mit Personalentscheidungen zu tun gehabt. So mancher ist durch die Wahl unvorbereitet vom Arbeitnehmer zum Arbeitgeber geworden…